Metaday 39: Unterschied zwischen den Versionen

aus Metalab, dem offenen Zentrum für meta-disziplinäre Magier und technisch-kreative Enthusiasten.
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Aktuelle Version vom 11. März 2011, 23:59 Uhr

Einmal im Monat lädt das Metalab Vortragende aus aller Welt ein, bei uns von ihren Projekten und Ideen zu erzählen. Anschließend gibt es Platz für Lightning Talks, wo Besucher aktuelle Unternehmungen und Vorhaben vorstellen können, sowie ein Buffet und gemütliches Ambiente für Diskussion und Austausch.


Das Metalab lädt herzlich zum Metaday #39
am Freitag, den 11. März 2011, 19:30 (Beginn 20:00)
im Metalab, Rathausstrasse 6, 1010 Wien – Eintritt frei


Technopolitics - Paradigmenwechsel in Gesellschaft, Kultur und Technik

Die Finanzkrise als Regulierungskrise des Informationszeitalters
Vortragender:    Armin Medosch
http://www.thenextlayer.org

Das derzeitige techno-ökonomische Paradigma, die Informations- oder Netzwerkgesellschaft, entstand als Antwort auf die Krise des Fordismus, der industriellen Massenproduktion von Konsumgütern, vor allem Autos, aber auch Haushaltsgeräten und Unterhaltungsmedien, auf der Basis günstiger Rohstoffe und billiger Energie.

Die Informations- und Kommunikationstechnologien sind spätestens seit den 1990er Jahren die neuen Leittechnologien. Sie begünstigen neue Organisations- und Produktionsweisen wie z.B. die kollaborativen Arbeitsweisen der Open-Source-Bewegung und die Partizipation in einem Digital Commons. Dieselben Technologien begünstigen aber auch Finanzspekulation, Monopolbildung, Überwachung und High-Tech-Kriegsführung. Die zunächst rasante Entwicklung des Informationszeitalters hat bereits zwei größere Finanzkrisen verursacht: den Zusammenbruch der New Economy und die Krise von 2008-09. Diese Krisen sind ein Zeichen dafür, dass die Informationsgesellschaft sich noch nicht zu einem stabilen Paradigma entwickelt hat. Schneller technischer Fortschritt und konservative soziale Verhältnisse im Neoliberalismus erzeugen Spannungen, die weitere krisenhafte Entwicklungen befürchten lassen.

Der Vortrag führt in das Konzept von Technopolitics ein und diskutiert im Anschluss die These, dass die derzeitige Krise die Regulierungskrise des Informationszeitalters ist. Weiters wird dazu eingeladen, Vorschläge zu machen, wie diese Krise überwunden werden kann.


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Zur Person: Armin Medosch ist Autor, Medienkünstler und Kurator mit Wohnsitz in Wien und London. Von 1996 bis 2002 Gründungsredakteur des Online-Magazins Telepolis; erhielt für seine Arbeit den europäischen Preis für investigativen Online-Journalismus (2000) und den Grimme Online Award (2002); Herausgeber von "Netzpiraten" (2001), gemeinsam mit Janko Röttgers, und Autor von "Freie Netze" (2004). Nach 2002 Lehrtätigkeit (Ravensbourne College, London), künstlerische und kuratorische Tätigkeit, u.a. Ausstellung Waves (Riga 2006, Dortmund 2008), kuratorische Wanderausstellung Kingdom-of-Piracy <KOP> und die Konferenzen "Goodbye Privacy", Themen-Konferenz, Ars Electronica, Linz 2007, sowie "Creative Cities", Ö1-Konferenz, 2009 Wien. Derzeit Forschung zum Thema der Geschichte der Medienkunst im Rahmen eines PhDs im Fachbereich Kunst und Computer, Goldsmiths, London.

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Hintergrundinformation zu Technopolitics

Technopolitics ist ein praxisbezogenes Forschungsprojekt, das den Paradigmenwechsel in Gesellschaft, Kultur und Technik untersucht. Es wurde von Armin Medosch und Brian Holmes initiiert und benutzt www.thenextlayer.org als Plattform für Theorieentwicklung, zur Sammlung vertiefender Materialien und Ausarbeitung nicht allein textgebundener Darstellungsweisen wie Visualisierungen und Timelines. Das Konzept von Technopolitics setzt an bei Theorien über sogenannte "lange Zyklen" - nach ihrem Entdecker auch Kondratieff-Wellen genannt. Ökonomen haben empirisch nachgewiesen, dass ca. alle 50 Jahre ein neues techno-ökonomisches Paradigma entsteht, wobei sich ein Zusammenhang zwischen dem Ansteigen und Sinken der Profitraten über diese Periode und der Einführung und Verbreitung neuer paradigmatischer Leittechnologien beobachten lässt. Die Technik ist aber nicht der einzige Faktor sondern steht in einem kohärenten Artikulationsverhältnis zu veränderten Organisationsweisen und sozialen Institutionen.

Neue techno-ökonomische Paradigmen entwickeln sich in einem jeweiligen hegemonischem Zentrum - in unserer Zeit die USA - und verbreiten sich in geografisch in sich nach aussen erweiternden Bewegungen. Ein hierarchisches Abhängigkeitsverhältnis zwischen einem industriellen Core und semi-peripheren und periphären Ländern entsteht. Die Macht des Hegemons beruht auf dessen Fähigkeit Innovationen einzuleiten - Verbindungen von Organisationsweisen, Technologien und politischen Herrschaftstechniken - die, nachdem sie von ihren Rivalen aufgegriffen werden, langsam den Vorteil einbüßen, welchen sie dem Hegemon ursprünglich einräumten. Der wachsende Wettbewerb vergrößert den Druck auf Menschen und natürliche Ressourcen, bis eine tiefe Krise entsteht, die nicht mehr innerhalb desselben Paradigmas gelöst werden kann. Ein grundsätzlicher Systemwandel steht an. Es scheint, dass wir uns heute in einer solchen Krise befinden.

Lightning Talks

Lightning Talks sind Kurzvorträge. Hier sollen aktuelle Ideen, Projekte, und vor allem Work-in-Progress vorgestellt werden.
Die Dauer der Vorträge ist auf 5 Minuten begrenzt.

Wer? Was? Beamer? record?
* Zem: Bau eines Dieselmotorrades
* Clifford: Alert The Internets!
* Astrid: Update vom Kalliope-Projekt
* C3o: Ausblick: Soup.me

Afterparty

Buffet, Wein und Ambient/Downtempo Chillout Musik