Hacking

aus Metalab, dem offenen Zentrum für meta-disziplinäre Magier und technisch-kreative Enthusiasten.
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Was ist Hacking (und ist es auch das, was uns die Medien darüber erzählen)?

Es kann gut sein, dass du beim Lesen dieser Frage gleich weiterspringen möchtest, weil du denkst - klar, heute weiß doch jeder was Hacking ist! Jedoch gehen die Definition des Wortes wie es Hacker selbst verwenden und wie es in den Medien verwendet wird sehr stark auseinander.

In den Medien ist das Wort Hacking praktisch synonym mit Computereinbruch bzw. der (negativ konnotierten) Außeinandersetzung mit Computersicherheit. Das ist aber sehr irreführend und im Prinzip so als ob man dass Wort Freizeitgestaltung mit Tischtennis synonym verwenden würde. Vielmehr muss Hacking auch gar nichts mit Computern oder nicht einmal mit Technik zu tun haben, denn das Themenfeld ist bei Hacking reine Nebensache.

Ufff, ihr wollt mir also erzählen dass Hacking nichts mit Computern zu tun hat?

Computer und Techik im Allgemeinen gehören zweifelsohne zu den Lieblingsthemen beim Hacking - aber man kann auch gerne Essen, Kommunikation, Politik, Kunst, Sexualität, Medien und noch vieles mehr Hacken!

Also, was soll es nun wirklich sein?

Kurz: Hacking hat mit einer gewissen Weise des Denkens und Wahrnehmens zu tun. Aus einen bestimmten Blickwinkel könnte man die Welt als eine Sammlung von Systemen (und Systemen in Systemen) beschreiben. Jedes System beschreibt ein bestimmtes Phänomen welches wir erkennen und welches bestimmten Regeln folgt, welche wir entweder beobachtet oder sogar definitiert haben.

Ein Beispiel für ein System das uns sehr nahe liegt, ist Sprache. Sprache besteht aus Wörtern und wir haben Regeln dafür, wie diese Wörter aneinanderzureihen sind, damit wir das sagen, was wir sagen wollen. Wir verwenden diese Regeln - Tag ein, Tag aus - ganz selbstverständlich ohne nachzudenken. Und genau dieses Selbstverständnis im Umgang mit Regeln und die scheinbare Unverrückbarkeit sind wunderbare Bedingungen für Hacking - man verbiegt, hinterfragt, nutzt Zweideutigkeiten und findet experimentell einen neuen Zugang zu einem System um ungeahntes, unerwartetes oder zuvor gar unmögliches hervorzubringen: "is it crazy how saying sentences backwards creates backwards sentences saying how crazy it is?".

Es geht also grob gesagt darum, Systeme zu beobachten um zu verstehen wie sie funktionieren und sie dann erst recht anders zu nutzen oder anders funktionieren zu lassen. Dabei spielen ein kritisch hinterfragender Blickwinkel ("muss das so funktionieren wie es das tut oder geht es auch anders?"), eine gewisse Respektlosigkeit gegenüber der Definitionsmacht anderer ("ist es nur so weil jemand sagt dass es so ist?") und der Mut neue Wege zu gehen eine sehr wichtige Rolle.

Diese Beschreibung mag jetzt vielleicht sehr philosophisch klingen, aber es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen systemkritischer Philosophie und Hacking: Hacker_Innen geben sich nicht damit zufrieden über die Welt nachzudenken und ihre Umgebung zu verstehen: Sie gestalten sie.